Journal · Bildhauerei
Vanesa Muñoz: Logik aus dem Chaos formen

Vanesa Muñoz ist eine abstrakte Bildhauerin, deren Werk als tiefgründige Übersetzung einer unbegreiflichen Welt dient. Angetrieben von einer persönlichen Obsession entsteht Muñoz' Kunst aus dem Bedürfnis, das Chaos ihrer Umgebung in eine ästhetische Ordnung zu verwandeln – sie findet innerhalb der Wände ihres Ateliers eine Kohärenz und Geborgenheit, die ihr in der Außenwelt oft fehlt.
Eine Bildhauerin von Konzepten, nicht nur von Formen
Statt sich rein auf physische Formen zu konzentrieren, versteht sich Muñoz als "Bildhauerin von Konzepten". Ihr Medium ist so vielfältig wie ihre Gedanken und reicht von elektrischen Kabeln und Holz bis zu Glas und Kunststoff. Für Muñoz ist kein Material willkürlich; jedes trägt eine ihm innewohnende emotionale Kraft und dient als wesentliches Teil eines größeren Vokabulars, mit dem sich offenbaren lässt, was üblicherweise unbemerkt bleibt.
Interessanterweise stellt Muñoz fest, dass sie sich durch Information weit besser ausdrückt als durch rohe Emotion. Aus diesem Grund stützt sie sich stark auf Metaphern aus Mathematik, Philosophie und Physik, um ihre Umgebung zu strukturieren und zu begreifen. In ihrer Werkstatt folgt alles einer strengen Logik, die es ihr erlaubt, eine Welt zu verarbeiten, die sich mitunter feindselig anfühlen kann.
Die Offenbarung von Barcelona
Muñoz' künstlerische Entwicklung wurde durch einen geografischen und kulturellen Wandel ausgelöst. Ursprünglich in Madrid in der Metallbildhauerei ausgebildet, wo das künstlerische Umfeld deutlich traditioneller und auf figurative Kunst ausgerichtet war, zog sie im Jahr 2000 nach Barcelona. Rasch verliebte sie sich in die zeitgenössische Atmosphäre der Stadt, ihre Zugänglichkeit, das Meeresumfeld und die eng verbundene Künstlergemeinschaft.
In Barcelona setzte sie ihr Studium an La Massana fort und absolvierte ein Studium der Philosophie. Ein wesentlicher Wendepunkt in ihrem formalen Umgang mit Materialien ereignete sich, als sie den Mies-van-der-Rohe-Pavillon entdeckte, den sie als "Offenbarung" beschreibt. Dieser Schritt erlaubte es ihr, sich von ihrer abgeschotteten künstlerischen Herkunft zu lösen, spielerisch mit neuen Materialien zu experimentieren und zur reinen Abstraktion überzugehen – und weitete ihren Horizont schließlich auf eine weitaus internationalere und zeitgenössischere Bühne aus.
Die radikale Kraft des "Nutzlosen"
In einer Gesellschaft, die sie als utilitaristisch und ableistisch beschreibt, sieht Muñoz ihre künstlerische Praxis als einen Akt des Widerstands – als eine Möglichkeit, durch das Schaffen des "Nutzlosen" "terroristisch" zu wirken. Sie ist fest davon überzeugt, dass die menschliche Seele nur durch nicht-utilitaristische Betätigungen wie Theater, Poesie und Kunst wahrhaft genährt werden kann. In Anlehnung an den Dichter Théophile Gautier merkt sie an, dass alles Praktische von Natur aus hässlich sei, während die Schönheit – der es an Praktikabilität mangelt – sowohl Wahrheit als auch Mut in sich trage.

Schöpfung als Katalysator für Veränderung
Was die Wirkung ihres Berufs betrifft, bleibt Muñoz bemerkenswert bodenständig. Sie argumentiert, dass es dem Medium selbst zu viel Verantwortung aufbürdet, von der Kunst zu erwarten, die Welt zu verändern. Dennoch beharrt sie darauf, dass der Akt des Schaffens Menschen unbestreitbar verändert.
Für Muñoz hat die tiefe Konzentration, die es braucht, um aus dem Nichts etwas zu erschaffen, eine zutiefst therapeutische Wirkung. Nicht die Kunst verändert die Welt, sondern die Menschen, die durch den Akt des Schaffens verwandelt werden und letztlich eine bessere Gesellschaft aufbauen. Als abschließenden Gedanken spricht sie eine universelle Einladung aus: Sie hofft, dass sich jeder die Gelegenheit gibt, zu erschaffen – sei es ein Gemälde, eine Fotografie oder auch ein Gericht –, allein um die Kraft zu erleben, etwas völlig Neues in die Welt zu bringen.
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