Journal · Bildhauerei
Die Alchemie des urbanen Holzes: Im Atelier des Bildhauers Marc Sparfel

Marc Sparfel ist ein französischer Künstler und Bildhauer, der in Barcelona seine kreative Heimat gefunden hat. Er arbeitet vor allem mit wiederverwerteten Materialien und verwandelt weggeworfene Straßenfunde in eindrucksvolle Auseinandersetzungen mit Volumen und Form. Bevor er in die lebendige spanische Stadt zog, fertigte Sparfel kleine Objekte, Lampen und Möbel aus Karton aus verschiedenen geretteten Materialien. Doch es waren die Straßen Barcelonas, die seinen heutigen künstlerischen Weg wirklich in Gang setzten.
Von Barcelonas Gehwegen ins Atelier
Bei seiner Ankunft in Barcelona war Sparfel überwältigt von der schieren Menge an alten Möbeln, die auf den Gehwegen zurückgelassen wurden. Da jedes Viertel der Stadt einen festgelegten Tag hat, an dem die Bewohner sperrige Gegenstände entsorgen dürfen, boten die Straßen einen endlosen, wenn auch unkonventionellen Nachschub an Material. Der eigentliche Wendepunkt kam, als ein Freund vorübergehend gerettete Holzmöbel auf Sparfels Terrasse lagerte. Als Sparfel die ungereinigten Stücke gerade wieder auf die Straße stellen wollte, begann er plötzlich, "dort etwas zu sehen".

Dieser visuelle Funke führte zu einer produktiven Phase, in der er eine lange Reihe von Holzmasken schuf, die stark von der afrikanischen Stammeskunst inspiriert waren. Angetrieben von "reiner Energie" und der Aussicht auf eine bevorstehende Ausstellung erlebte Sparfel eine kreative Explosion und schuf in nur sechs Monaten über 20 Skulpturen, obwohl ihm ein festes Atelier oder ein eigener Arbeitsraum fehlte. Er merkt an, dass Bildhauer zu sein vor diesem gewaltigen Schaffensschub nicht einmal ein fester Bestandteil seines Lebens war; er hatte jahrelang darauf gewartet zu entdecken, was sein angeborener Schaffensdrang eigentlich bedeutete.
Vom Figurativen zum Abstrakten
Nachdem er ein Jahrzehnt in diesem figurativen Stil gearbeitet hatte, verlagerte sich Sparfels Werk auf natürliche Weise. Der Übergang von der figurativen zur abstrakten Skulptur war keine bewusste oder kalkulierte Entscheidung, sondern eine organische, intuitive Weiterentwicklung seiner Praxis. Heute beschreibt er seine neueren, abstrakten Werke als einen Ansatz der "architektonischen Landschaft", auch wenn sie oft die "animalische Energie" und körperliche Merkmale – etwa Beine – aus seinen früheren figurativen Arbeiten bewahren.

Machen, machen, machen
Sparfels Zugang zur Kunst ist zutiefst körperlich und antiakademisch. Seine Philosophie ist vom "Machen, Machen, Machen" geprägt, statt seine Werke zu überkonzeptualisieren oder zu zerdenken. Er ist fest davon überzeugt, dass Künstler die Unabhängigkeit haben müssen, ihre eigenen Regeln und Formen zu definieren, ohne sich um die Meinung der Gesellschaft zu sorgen. Tatsächlich zögert er bekanntermaßen, seine Kunst mit Worten zu erklären, und betont, dass er als Bildhauer mit Holz arbeitet, nicht mit Worten. "Würde ich mit Worten arbeiten, wäre ich Schriftsteller", erklärt er und betrachtet das Atelier als einen Zufluchtsort, um sich von den Sorgen der Welt zu lösen und seine unbewusste Intuition die Führung übernehmen zu lassen.
Der Zauber des Anfangs
Auch wenn die sonnige, positive Energie Barcelonas und seine freundlichen Bewohner seine Arbeit zweifellos beflügeln, liegt der Kern von Sparfels Motivation im einsamen Akt des Schaffens. Für ihn ist der schönste Teil des Prozesses der allererste Beginn eines neuen Werks. Er beschreibt eine erregende Spannung zwischen dem Geist des Künstlers, der weit in die Zukunft des Werks vorausblickt, und den Händen des Künstlers, die streng in der Gegenwart arbeiten müssen. Es ist diese tägliche Aufregung im Atelier – die Vorfreude, dass etwas Fantastisches entdeckt werden könnte –, die ihn immer wieder zu seinem Handwerk zurückkehren lässt. Wie Sparfel treffend bemerkt: "Es ist wie Magie. Und man braucht Magie, um Künstler zu sein, denn sonst ist es unmöglich".
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